Angsterkrankungen Unter
Angsterkrankungen verstehen wir Angstzustände, die Menschen scheinbar
grundlos überfallen, Angst, die nicht mehr kontrolliert werden kann. Allmählich
entwickeln die Betroffenen immer mehr Angst vor der Angst, es entsteht ein
Teufelskreis. Die Lebensgestaltung ist deutlich eingeschränkt. So verlassen
Menschen mit Angsterkrankungen häufig ihre Wohnung nicht mehr, nehmen
kaum soziale Kontakte auf, sind am Arbeitsplatz und in ihrer gesamten
Lebensqualität erheblich eingeschränkt. Es handelt sich dann um eine
psychische Erkrankung. Die erkrankten Menschen brauchen dringend Unterstützung
von TherapeutInnen, um einer Chronifizierung vorzubeugen. Oft glauben die
Betroffenen, dass sie an einer körperlichen Erkrankung leiden und sehen zunächst
keinen Zusammenhang zu seelischem Geschehen. Als Auslöser für die Angststörung
vermutet man eine Störung der Botenstoffe im Gehirn, aber auch viele
psychologische Faktoren wie Stress, eingeschränkte Lebensplanung etc. werden
als mögliche Auslöser angesehen.
Zur
Diagnostik und Therapie der Angsterkrankungen: Bei
Aufnahme zur stationären Behandlung in der Abteilung
Psychosomatik/Psychotherapie der Wicker-Klinik erfolgt zunächst eine gründliche
körperliche Untersuchung um abzuklären, ob es sich tatsächlich um Angsterkrankungen handelt oder um
andere körperliche Erkrankungen. Nach Ausschluss
einer körperlichen Erkrankung erfolgt eine psychotherapeutische Diagnostik, die
die Form der Angsterkrankungen klarstellt. Nach dem ICD-10 der internationalen
Klassifikation psychischer Erkrankungen lassen sich verschiedene Formen der
Angsterkrankungen finden:
So gibt es
-
phobische Störungen,
-
die Platz - Angst
(Agoraphobie),
-
soziale Phobien,
das heißt, Angst vor Menschen bzw. Beziehungen,
-
spezifische
isolierte Phobien wie zum Beispiel die massive Angst vor Spinnen.
Es gibt
aber auch andere Angsterkrankungen wie Panikstörungen,
in der es immer wieder zu Panikattacken kommt oder auch die
generalisierte
Angststörung,
die das Leben soweit beeinflussen, dass die Betroffenen das Haus nicht mehr
verlassen und keinerlei Kontakte aufnehmen. Eine
weitere psychische Erkrankung ist die Zwangsstörung. Die erkrankten Menschen müssen
zum Beispiel Dinge immer wieder zwanghaft kontrollieren, wie zum Beispiel Türschlösser
etc. Hierzu gehört auch der Waschzwang. Betroffene Menschen müssen sich
zwanghaft immer wieder waschen. Die Psychotherapie von Angsterkrankungen und Zwangsstörungen
ist in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich eindeutig gesichert. Je nach Schwere
der Erkrankung ist es sinnvoll, die Psychotherapie mit medikamentöser Therapie
zu kombinieren.
Zu
unseren therapeutischen Angeboten bei Angsterkrankungen: In der Abteilung Psychosomatik/Psychotherapie der Wicker-Klinik haben wir ein spezielles verhaltenstherapeutisches Angebot für Betroffene von Angsterkrankungen und Zwangsstörungen. So nehmen diese Patientinnen und Patienten zweimal in der Woche an einer Gruppentherapie teil, die einen verhaltenstherapeutischen Schwerpunkt hat. Der dritte Gruppentermin ist ein Termin, in dem es um das Genusstraining geht, das heißt, Patientinnen und Patienten können lernen, positive Aspekte des Lebens mehr wahrzunehmen und damit ihre Spielräume zu erweitern. Ergänzend kommt hinzu: Entspannungstraining und Körpertherapie. Dabei geht es um Achtsamkeit für das körperliche Befinden und darum, Bedürfnisse und Belastungsgrenzen wahrzunehmen. Ein ergänzendes therapeutisches Angebot ist die Werktherapie, ein kreatives Verfahren, das der Förderung der Selbstwahrnehmung dient. Die Wahrnehmung von Ressourcen, Ausdrucks- und Entlastungsmöglichkeiten wird gefördert. In den angebotenen Einzelgesprächstherapien und in der Gruppentherapie werden zu Beginn des Aufenthaltes theoretischer Angst - und Zwangsentstehungsmodelle (zum Beispiel Teufelskreis der Angst) vermittelt. Ein weiterer Schritt ist dann die Erarbeitung der Funktionalität der Erkrankung und im Weiteren die Vermittlung von Bewältigungsstrategien mit dem Aufbau von Eigenverantwortung. Es werden angstauslösende Gedanken identifiziert, kognitiv umstrukturiert und in hilfreiche und unterstützende Gedanken umgewandelt. Ein weiterer Baustein der Therapie kann die systematische Desensibilisierung (graduierte Konfrontation in senso oder in vivo) sein. Die Patientinnen und Patienten mit Angsterkrankungen üben immer wieder das Bewältigen schwieriger Situationen, sie vertiefen ihr Verständnis für die Zusammenhänge der Angsterkrankungen und erweitern ihren Bewegungsspielraum und ihre Freizeit- und Erholungsmöglichkeit. Ihre
Dagmar
Rohrer
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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